Generalissimus Aznar

Von Pere Grau

Für den ehemaligen spanischen Ministerpräsident José Maria Aznar, heute Vorsitzender der Stiftung FAES der konservativen Volkspartei, ist wahrscheinlich vollkommen klar, warum der Irakkrieg so schlecht geführt wurde. Wenn er das Oberkommando gehabt hätte, hätte man ihn in ein paar Tagen erfolgreich beendet. Das lässt sein letzter öffentlicher Auftritt vermuten, in welchem er Ministerpräsident Rajoy gebeten hat, „den exzessiv sprudelnden katalanischen Separatismus einzugrenzen, zu neutralisieren und zu eliminieren“. Wenn er so was so eindeutig verlangt, wird er meiner Meinung nach das so klar gesehen haben wie das zu erreichen ist, dass er auf Details verzichten zu können glaubt. Seine Sprache sagt schon alles. Auch wenn er das nicht verdient hat, tun wir ihm den Gefallen und analysieren wir seinen saftigen Satz.

Zunächst ist es eindeutig eine militärische Kriegssprache. Vor ihm steht ein Feind , dessen Truppenstärke und Position zu erfahren sind (eingrenzen), nachher sind sie zu isolieren oder zu belagern (neutralisieren) und zuletzt, durch Gefangennahme oder physische Vernichtung das feindliche Potential auf Null zu reduzieren (eliminieren). Kein Wort von verhandeln, von einer möglichen Waffenruhe oder einem späteren Friedensvertrag. Nein. Der Feind muss zertreten werden wie eine Kakerlake, die sich in der Küche verirrt hat.

Und das betrachtet er als möglich, weil er das katalanische Streben nach Unabhängigkeit als ein Sprudeln betrachtet. Ein Sprudeln ist immer ein vorübergehende Phänomen. Wie bei einigen modernen Kopfschmerztabletten ist das Sprudeln eine Sache von Sekunden. Und dieses Sprudeln, denkt er wahrscheinlich, kann man beenden, indem man Köpfe rollen lässt Halt! Metaphorisch, selbstverständlich! Anstatt Henkersbeil oder Schwert sollen die Politiker jetzt Richterentscheidungen oder Regierungsdekrete benutzen, auch wenn sie dafür die ihnen angeblich heilige Verfassung ignorieren müssten.

Aznar und seine Sprache sind ein Musterbeispiel des systematischen Leugnen der Wirklichkeit von vielen spanischen Politikern. Für sie ist die Realität eine bestimmte, für die Katalanen eine radikal andere. Das ist was zum jetzigen Zeitpunkt den Dialog unmöglich macht, den uns viele ausländische Politiker und Medien immer wieder predigen, welche die extreme Irrationalität der spanischen Politik nicht begreifen. Eine Irrationalität, die eine großzügige Interpretation der Verfassung von 1978 oder eine Lösung durch der letzte Autonomiestatut von 2005 unmöglich gemacht hat, Eine Irrationalität, die Monster schafft (man muss an Goya denken) wie das Bildungsgesetz von Minister J.M. Wert und ähnliche andere. Ihr Ergebnis war zunächst die emotionelle Entfremdung der Katalanen, und am Ende der Wunsch nach Trennung von dem, was sie als Vaterland bezeichnen, und wir als „die koloniale Besatzung“. Nicht weil es uns Vergnügen bereitet, sondern weil es uns keinen anderen Weg übrig lässt, wenn wir unser Überleben als Volk mit eigener Persönlichkeit sichern wollen.

Aznars Traum wäre vielleicht den letzten Kriegsbericht von Franco vom 1. April 1939 wiederholen zu können: „Am heutigen Tag, der katalanische Separatismus, besiegt und entwaffnet haben die vereinten Kräfte von FAES, PP und PSOE ihr letztes Ziel erreicht. Der separatistische Albtraum ist zu Ende“. Aber wie der große Calderon de la Barca schon mal sagte: „…und die Träume, Träume sind“. Und wenn alle diese Herrschaften aus ihren phantasierenden Träumen erwachen werden, werden sie sich nackt vorfinden und ihren getäuschten Wählern viele unangenehme Erklärungen schuldig sein. Ob ihnen das gelingt wird die Zeit zeigen. Uns aber wird es gleichgültig sein und wir werden es aus der Ferne zuschauen, während wir uns unseren eigenen Anliegen widmen. Weil unser „Sprudeln“ fester als die Pyrenäen ist und kein Mensch es wird aufhalten können.

Link zur Originalversion des Artikels (katalanisch): http://elmati.cat/article/4223/el-generalisimo-Aznar

Andere Artikeln von Pere Grau: http://elmati.cat/articles/autor/176/pere-grau

 

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