Lautstarker Protest

Fans des FC Barcelona trotzen der UEFA. FC Bayern gehorcht

André Scheer

veröffentlicht am 06.11.2015 an der Junge Welt

 

Barcelona. Es waren doch zu wenig Fähnchen. Schon eine halbe Stunde vor Anpfiff der Champions-League-Begegnung zwischen dem FC Barcelona und Bate Borissow (Endstand 3:0) am Mittwoch abend hatten freiwillige Aktivisten im Stadion Camp Nou 30.000 »Estelades« verteilt. Die Fahnen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung wurden anschließend von den Barça-Fans im Rund des fast 100.000 Zuschauer fassenden Stadions geschwenkt (Foto). Mit ihrer Aktion protestierten die Anhänger des Vereins gegen die von der UEFA verhängten Sanktionen. Der europäische Fußballverband hatte den FC Barcelona zu zwei Geldstrafen in Höhe von 30.000 und 40.000 Euro verurteilt, weil die Fahnen bei Spielen des Vereins in der Champions League zu sehen waren. Barça sieht darin einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und hat gegen die Maßnahmen Einspruch eingelegt. Deshalb erschallte am Mittwoch auch ein gellendes Pfeifkonzert, als die Hymne der UEFA gespielt wurde.

Im Unterschied zur offiziellen katalanischen Fahne, die nur vier rote Streifen auf gelbem Grund zeigt und von der UEFA nicht beanstandet wird, erinnert die »Estelada« an die Nationalflagge Kubas. Auf ihr werden die katalanischen Farben durch ein blaues Dreieck und einen weißen Stern ergänzt. Das ist kein Zufall: Entworfen wurde die Fahne 1902 von Katalanen, die auf Kuba die Befreiung der Insel von der spanischen Kolonialherrschaft miterlebt hatten. Im Widerstand gegen die Franco-Diktatur entstand in den 70er Jahren auch eine vor allem von linken Gruppen benutzte Version der »Estelada« mit rotem Stern.

Vorauseilender Gehorsam dagegen beim FC Bayern München, obwohl dessen Trainer Pep Guardiola ein aktiver Unterstützer der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung ist. Wie die in Barcelona erscheinende Tageszeitung Ara am Donnerstag berichtete, beschlagnahmten Ordner vor dem Spiel der Bayern gegen Arsenal London (Endstand 5:1) am Eingang eine »Estelada«. Eduard Mariñoso, der Mitglied des FC Barcelona ist und auf seinem Facebook-Profil auf einem Foto mit Guardiola posiert, hatte das Stück Stoff zum Spiel mitgebracht. Doch ihm erging es so wie vor mehr als zwei Jahrzehnten Fans des FC St. Pauli. Diesen war in München das Zeigen der schwarzen Fahne mit dem Totenkopf untersagt worden – heute kaum noch vorstellbar.

Weiterlesen: http://www.jungewelt.de/m/2015/11-06/064.php

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