Verbotene Fahne

UEFA verurteilt FC Barcelona, weil Fans ­demonstrieren

Von André Scheer

Ausgabe vom 05.11.2015

Foto: Albert Gea/Reuters

Der FC Barcelona ist »mehr als ein Club«, wie schon der eigene offizielle Slogan verrät. Der Verein ist ein Spiegelbild der katalanischen Gesellschaft. Unter der Franco-Diktatur in Spanien musste im Logo des Vereins die katalanische Flagge durch die Fahne der Monarchie ersetzt werden. Der Name FC (Futbol Club) wurde in das spanische CF (Club de Fútbol) geändert. In dieser Zeit prägte der Volksmund den eingangs zitierten Slogan, denn der Verein wurde trotz alledem zu einer Zuflucht für die Katalanen.

Heute spiegelt sich so natürlich auch im Stadion »Camp Nou« die starke Unabhängigkeitsbewegung wider. In Anspielung auf das Jahr 1714, als Katalonien seine weitgehende Eigenständigkeit verlor, wird 17 Minuten und 14 Sekunden nach Spielbeginn regelmäßig der Slogan »I – Inde – Independència«, also die Forderung nach einer Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien, gerufen. Und neben den blau-roten Fahnen des Vereins sind auch die gelb-roten Kataloniens zu sehen. Doch nicht nur die offizielle »Senyera« wird gezeigt, sondern auch die »Estelada«, auf der die Landesfahne mit rotem oder weißem Stern ergänzt wird.

Diese Fahne ist der UEFA ein Dorn im Auge. Der europäische Fußballverband hat eine Geldstrafe von 40.000 Euro gegen den FC Barcelona verhängt, weil Fans des Vereins am 29. September beim Champions-League-Spiel gegen Bayer Leverkusen die Fahne gezeigt haben. Im August hatte die UEFA bereits 30.000 Euro gefordert, weil die Fans am 6. Juni den Sieg ihres Vereins im Finale gegen Juventus Turin unter diesem Banner gefeiert hatten. Damit ist das Zeigen der »Estelada« inzwischen teurer als das Werfen von Feuerwerkskörpern, für das Benfica Lissabon Anfang Oktober zur Zahlung von 30.000 Euro verurteilt wurde. Keine Strafen verhängte die UEFA bislang gegen spanische Vereine, deren Fans die Fahne der Franco-Diktatur mit dem faschistischen Wappen schwenken.

Vereinspräsident Jordi Mestre kündigte an, man werde »die Meinungsfreiheit verteidigen« und sich nicht den Strafen der UEFA beugen. Am Mittwoch abend wollten katalanische Aktivisten vor dem Spiel gegen Bate Borisov Zehntausende »Esteladas« an die Besucher verteilen.

Weiterlesen: Junge Welt:  http://www.jungewelt.de/2015/11-05/059.php

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