Massive Forderung nach Unabhängigkeit in Barcelona

Über eine Million Menschen haben sich friedlich in Barcelona versammelt, um die Unabhängigkeit Kataloniens zu fordern. Der Slogan der Demonstration lautete:”Lasst uns die katalanische Republik verwirklichen” und veranschaulicht die Forderung nach der Anwendung des demokratischen Mandats, das sich aus dem Referendum vom 1. Oktober über die Selbstbestimmung ergab, als 90% der Abstimmenden (43% der katalanischen Wähler) für die Unabhängigkeit Kataloniens stimmten.

Um genau 17.14 Uhr starteten die Demonstranten an einem Ende eine Schallwelle und hielten Banner hoch. Meter für Meter, wie bei einem Dominoeffekt, bewegte sich die Schallwelle am anderen Ende der Demonstration, wo sie symbolisch eine Wand fällte. Die Mauer symbolisiert die Widrigkeiten, Hindernisse und Repressionen, die jetzt und in Zukunft die Anwendung dieses demokratischen Mandats zur Selbstbestimmung verhindern, ein Recht, das allen Menschen zusteht, wie es in der Charta der Vereinten Nationen und dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, die beide von Spanien ratifiziert wurden, anerkannt wird.

Menschenrechtsanwälte Ben Emmerson und Aamer Anwar und Prof. Dr. Schulze bei der Diada

Unter den Referenten waren in diesem Jahr drei renommierte europäische Persönlichkeiten: Aamer Anwar, der anerkannte schottische Menschenrechtsanwalt, zuständig für die Rechtsverteidigung der katalanischen Ex-Ministerin Clara Ponsatí; Thomas Schulze, der deutsche Universitätsprofessor, der für seine entschiedene Verteidigung der katalanischen Sache in Europa bekannt ist; und schließlich Ben Emmerson, der englische Internationale und Menschenrechtsanwalt, der für die Verteidigung vor den Vereinten Nationen von Präsident Carles Puigdemont und anderen katalanischen Politikern zuständig ist.

Aamer Anwar erinnerte an das Recht auf Selbstbestimmung als “Grundrecht” und lobte das katalanische Volk dafür, dass es eine Bewegung aufgebaut habe, die stets den Prinzipien von “Internationalismus, Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit” gefolgt sei. Er sandte ebenfalls eine klare Botschaft aus: “Schweigen kann keine Option für diejenigen sein, die auf der Seite der Gerechtigkeit stehen.”

Anwar stand der Rolle des spanischen Staates äußerst kritisch gegenüber und erklärte, dass General Franco wirklich stolz auf dieses Spanien sein würde, das wie eine faschistische Diktatur handelte und sandte eine klare Botschaft an Premierminister Pedro Sánchez: Wenn er wirklich daran interessiert sei, eine politische Lösung für den katalanischen Konflikt zu finden, müsse er alle politischen Gefangenen bedingungslos freilassen und Clara Ponsatí und die anderen Exilanten zurückkehren lassen.

Emmerson sah seinerseits voraus, dass Katalonien innerhalb eines Jahres eine unabhängige Republik sein würde, und verwies auf die in Kürze erwartete Resolution der Vereinten Nationen, die nicht nur die Verletzung Spaniens der Bürgerrechte politischen Gefangenen, sondern auch aller Wähler verurteilen soll.

Für Emmerson ist die demokratische Debatte über den politischen Wandel “kein Verbrechen”, und es muss das Recht bestehen, ein verbindliches Referendum „ohne Gewalt und Einschüchterung“ durch eine „paramilitärische Polizei“ im Dienste der besonderen Interessen der Erben Francos abzuhalten, die versuchen, das katalanische Volk zu „unterwerfen“.

Sowohl Emerson als auch Anwar haben Pedro Sánchez eine Botschaft übermittelt: Die einzige Hoffnung auf ein ausgehandeltes Abkommen ist es, jetzt, vor Beginn der Gerichtsverfahren, Maßnahmen zu ergreifen, und das bedeutet die Freilassung der politischen Gefangenen.

Schließlich erinnerte Professor Schulze die Welt daran, dass die Katalanen sich ihr Recht auf Freiheit verdient haben. Er erinnerte an die Worte des amerikanischen Präsidenten Kennedy bei seinem Besuch in Berlin: “Heute, in der Welt der Freiheit, ist der stolzeste Satz ‘Ich bin ein Berliner’.” Schulze passte es der Gegenwart an und sagte, dass er und viele ausländische Freunde Kataloniens stolz sind, zu behaupten:”Ich bin Katalane”!

ANC-Präsidentin Elisenda Paluzie forderte die Gründung der katalanischen Republik

Elisenda Paluzie verurteilte die spanische Unterdrückung während des Referendums vom 1. Oktober und dass diese sich in der Gegenwart so fortsetze. Dennoch sieht sie, dass die Katalanen hoffnungsvoll und entschlossen sind, weiterzumachen, auch wenn sie einen spanischen Staat vor sich haben, der bereit ist, Grundrechte wie Meinungs-, Informations-, Versammlungs-, Presse- und Wahlrecht zu verletzen. Auch wenn es auch politische Gefangene und Exilanten gibt, deren”schändliche“ Gerichtsverfahren im Herbst zu erwarten sind.

Sie betonte auch, dass das universelle Recht auf Selbstbestimmung verletzt und mit polizeilicher Gewalt niedergeschlagen worden sei. Aber die Katalanen gingen in die Wahllokale und wählten in großer Zahl. Laut Paluzie zeigten die Katalanen der Welt ihre Entschlossenheit, eine unabhängige Nation zu werden und dass die Zukunft in den Händen des Volkes liegt.

Sie prangerte an, dass die Republik im Oktober nicht verteidigt worden sei, nachdem die Anhänger und Parteien der Unabhängigkeit zwei Wahlen und das Referendum gewonnen hätten. Die Zivilgesellschaft fordert nun die Gründung der Republik und die Achtung und Wirksamkeit des Mandats der katalanischen Regierung für den 1. Oktober und die Wahlen.

Sie kam zu dem Schluss, dass die Republik integrativ sein werde, für die Mehrheit, die sie will, aber auch für die Minderheit, die nicht auf ein unabhängiges Katalonien hofft.

Die Diada – der katalanische Nationalfeiertag, weltweit gefeiert

Die diesjährige Diada hatte einen ausgesprochen internationalen Charakter. Sie fand nicht nur in Barcelona statt, die Katalanische Nationalversammlung ANC hat auch weltweit in 40 Städten Demonstrationen organisiert, ein voller Erfolg, denn noch nie zuvor gab es so viele Orte, an denen die Diada gefeiert wurde. Auch schon während des Wochenendes wurden in Großstädten in Europa und weltweit die dort lebenden Katalanen mit Einheimischen zusammengeführt, die sich für unsere Sache interessieren.

Diese Diada für die Katalanische Republik ist die siebte Diada in Folge, in der die Unabhängigkeitsbewegung die Straßen massiv mit einer in Europa einzigartigen friedlichen Demonstration gefüllt hat.

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